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WAZ 02.02.2001, STADTTEIL-ZEITUNG

Politiker gegen Inflation von verkaufsoffenen Sonntagen

Anfragen in der BV II häufen sich - Kirchen und HBV üben Kritik - Wirtschaftsinteressen kontra Kulturwerte

ESSENER SÜDEN. Die Bezirksvertretung II fordert, verkaufsoffene Sonntage auch in Zukunft nur aus besonderen Anlässen durchzuführen. Eine Aufweichung der entsprechenden Rechtsgrundlagen müsse verhindert werden.

Den Politikern lag eine Liste von Anträgen zur Durchführung verkaufsoffener Sonntage im Jahr 2001 vor. Die Ablehnung war einhellig: Ich weiß nicht, warum es zweimal im Jahr eine Veranstaltung ,Rüttenscheid International' geben muss, wunderte sich Nina Eumann (PDS). Sowohl die Gewerkschaft HBV als auch die beiden Kirchen hätten sich gegen die Inflation verkaufsoffener Sonntage gewandt.

Das Wochenende ist für Familien besonders wichtig, unterstrich Eumann. Da Frauen häufig als Verkäuferin arbeiteten, seien sie von dieser Entwicklung besonders betroffen. Ein freier Tag in der Woche kann den verlorenen Tag mit der Familie nicht ersetzen, befand auch Lisa Mews (Grüne).

Peter Lankes (SPD) sah die vermehrten Anfragen nach verkaufsoffenen Sonntagen als gesellschaftliches Problem: Wir müssen uns fragen, ob wir unsere überlieferten kulturellen Werte behalten wollen, oder ob wir uns zunehmend wirtschaftlichen Interessen beugen. Sein Fraktionskollege Gerhard Barnscheidt wies darauf hin, dass die im Tarifvertrag festgelegten Arbeitszeiten im Einzelhandel häufig nicht eingehalten würden.

Mit der diesjährigen Vorlage ist das Ende der Fahnenstange erreicht, wetterte auch Michael Biermann (CDU). Der Vorschlag eines Antragstellers, in amtlichen Mitteilungen den Hinweis auf die rechtlichen Bestimmungen zum verkaufsoffenen Sonntag zu unterdrücken, sei eine Dreistigkeit, die man sich nicht bieten lassen dürfe.

Martin Polzer (FDP) kritisierte insbesondere die Tendenz zur fortlaufenden Ausdehnung des Weihnachtsmarkts: Wollen wir damit demnächst vielleicht schon im Oktober anfangen? Sinnvoller sei es, die Dauer des Marktes nach hinten zu verlängern, etwa bis zum 6. Januar. Der Kern des Weihnachtsmarktes muss in der Adventszeit liegen, forderte Polzer.

mf

Letzte Änderung: 05.10.2001 - os
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