6. Dezember 2014: Rettet das Weltklima, bevor es zu spät ist

Weltweiter Klimaaktionstag am 6. Dezember 2014 in Essen

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für Handzettel (PDF) – auf das Bild klicken.

Rettet das Weltklima, bevor es zu spät ist!

Beim „Weltklimamarsch“ am 20./21. September gingen Hunderttausende in aller Welt für die Rettung des Weltklimas auf die Straße. Am 11. Oktober, dem weltweiten Tag gegen Fracking („Global Frackdown Day“), gab es 300 Aktionen in 32 Ländern. Auch in Essen zeigten viele Bürger großes Interesse an Klima- und Umweltfragen. Viele unterschrieben vor der Marktkirche gegen TTIP und CETA, die geplanten sog. „Freihandelsabkommen“, weil klar wurde, dass dieser hemmungslose „Freihandel“ zwischen den USA sowie Kanada und der EU auch den Abbau von Umweltstandards bedeutet.

Vom 1. bis zum 12. Dezember tagt die diesjährige UNOWeltklimakonferenz in Lima/Peru. In der „Halbzeit“ dieser Konferenzen gehen seit 2005 weltweit Menschen auf die Straße und fordern wirksame Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung.

Hunderttausend waren es allein 2009 in Kopenhagen. Dieses Jahr ist der Weltklimatag oder „Global Day of Action“ am Samstag, 6. Dezember.

Die UNO- Klimakonferenzen blieben weitgehend ergebnislos.

Die Verbrennung fossiler Energieträger steigt und damit der klimaschädliche CO2-Ausstoß als Hauptursache der Klimaerwärmung. Dazu kommen Methan aus der Massentierhaltung in der Agrarindustrie.

Die tropischen Regenwälder werden weiter abgeholzt. Die Folgen sind Rückkopplungen, wie die Schrumpfung des Polareises oder das Auftauen der Permafrostböden. Dreimal mehr klimabedingte Naturkatastrophen als noch vor 50 Jahren bedrohen die Menschheit.

Diese Entwicklung wird von den wirtschaftlich und politisch Verantwortlichen aus reinen Profitinteressen billigend in Kauf genommen und noch weiter voran getrieben. Der weitere Bau von Atomkraftwerken wie in England oder die CO2-Abscheidung und -Verpressung (CCS) werden auch noch als Klimaschutz angepriesen.

Tausende Menschen verlieren schon heute ihre Existenz und Heimat durch regionale Umweltkatastrophen, wie beim
Jahrhunderthochwasser in Bosnien oder dem Taifun Haiyan in den Philippinen. Ein Temperaturanstieg um 2 Grad Celsius wird aber z.B. von Merkel als „Klimaziel“ in Kauf genommen!

Er würde Millionen Menschen ganzer Länder zu Flüchtlingen machen. Das dürfen wir nicht zulassen!

Der Weltklimarat musste erneut bestätigen, dass die Klimaerwärmung durch Menschen gemacht ist und gestoppt werden muss und kann. Wir fordern:

• Rasche Umstellung auf und Durchsetzung von 100
Prozent erneuerbarer Energie!

• Schluss mit dem Bau neuer Kohle- und Gaskraftwerke!
Für ein weltweites Verbot von Fracking! Keine CO2-Abscheidung und -Verpressung!

• Atomkraft ist keine Alternative – AKWs sofort abschalten – weltweit!

• Kein Ausspielen von Arbeitsplätzen gegen Umweltschutz!

„System Change, not Climate Change“ – diese Forderung ist heute Bestandteil der Umweltbewegung. Wir können die Zukunft der Menschheit nicht den Profitinteressen von Banken und Konzernen und Regierungen überlassen, die diesen hörig sind. Setzen wir auch in Essen ein Zeichen!

Herzliche Einladung zur gemeinsamen Kundgebung am 6. Dezember 2014.

Infostände, Kurzreden, Diskussion am offenen Mikrofon
Essen-City, Kettwiger Straße/Burgplatz, nahe der Lichtburg
um eine Minute vor Zwölf!

Es rufen auf: Initiative Essen zum Aufbau der Umweltgewerkschaft, attac Essen, BUND Essen, MLPD Essen, Rebell Essen, Essen steht AUF u.a.

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Weltweite Folgen der Katastrophe von Fukushima

Jetzt, nach bereits drei Jahren, erreicht radioaktives Wasser die kalifornische Küste, und die Meersfauna ist aus dem Gleichgewicht geraten.

http://suite101.de/article/kalifornien-leidet-unter-fukushima-a134586

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/20/fukushima-mysterioese-erscheinungen-an-amerikanischer-west-kueste/

Eine Langzeitsimulation des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigt, wie es weiter geht, und wie der (Nord-)Pazifik in zehn Jahren mit Cs-137 verseucht sein wird.

Biokraftstoffe und Agrarrohstoff – Spekulationen

SIND BIOKRAFTSTOFFE UND SPEKULATIONEN MIT AGRARROHSTOFFEN VERANTWORTLICH FÜR PREISSCHWANKUNGEN UND HUNGER IN DER WELT?

Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind auf dieser Welt. 870 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen und 98% davon leben in den Entwicklungsländern dieser Welt (FAO 2012). Und in der EU, sowie in den USA verbrennen wir Lebensmittel um uns fort zu bewegen oder spielen mit ihnen, um den Profit zu erhöhen.

DieEuropäischen Union verfolgt aus, angeblich, ökologischen Gründen wie der Reduktion von Treibhausgasen und Verminderung der Umweltbeastungen, durch Abgasemissionen eine Energiepolitik, in der die Nutzung von Biokraftstoffen gezielt gefördert werden soll. Im Jahr 1997 formulierte die Europäische Kommission das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2010 zu verdoppeln. Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie vom 23. April 2009 ersetzte die Biokraftstoffrichtlinie und hob sie auf. Mit dieser Richtlinie legten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verbindlich den bis zum Jahr 2020 zu erreichenden Anteil von erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch fest. Als Ziel soll bis zu diesem Jahr der Anteil von erneuerbaren Energien bei mindestens 20% liegen.

Nach der internationalen Finanzkrise, die 2007 in der US-Immobilienkrise ihren Ursprung hatte, verlegten sich viele Investoren auf die Spekulation mit Agrarrohstoffen. An die 600 Milliarden US-Dollar haben Anleger aller Art in Wertpapiere investiert. Ein nicht unerheblicher Anteil dieser Summe dient der Wette auf steigende Agrarpreise.

Ein Verbrechen an die Hungerleidenden in der Welt!

Bestimmungsgründe für das Niveau und die Volatilität (Preisschwankungen) von Agrarrohstoffpreisen auf internationalen Märkten – Sind Biokraftstoffe verantwortlich für Preisschwankungen und Hunger in der Welt?”

Unter diesem Titel hat das Institut für Agrarpolitik und Marktforschung und Zentrum für internationale Entwicklungs und Umweltforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen eine Studie herausgegeben. Federführend in der Erstellung dieser Studie, im Auftrag des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V. und der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V., waren Prof. Dr. Dr. h.c. P. Michael Schmitz und M. Sc. Palina Moleva.

Wie bewertet diese Studie den Einfluß von Biokraftstoffen und Agrarrohstoff-Spekulationen? Die Auftraggeber dieser Studie lassen es bereits ahnen. Nichts desto Trotz soll dieser Frage in diesem Artikel genauer nachgegangen werden.

Die Welthungerhilfe gemeinsam mit dem International Food Policy Research Institute (IFPRI) stellen in ihrem Bericht zum Welthungerindex eindeutig fest: “Hauptursache für höhere und volatilere Preise sind Biokraftstoffe.”

Oxfam fordert 2012 die EU zu einem Stopp der Biokraftstoffförderung auf. Viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Medien, Kirchen und Entwicklungsinstitutionen erkennen immer stärker die Biokraftstoffindustrie, Banken und Spekulanten als die Hauptverursacher von Hunger, Armut und Elend, insbesondere in der Dritten Welt.

Schmitz und Moleva kommen in ihrer Studie zwar zu dem Schluss, das das Preisniveau für Agrarrohstoffe und
Biokraftstoffe tendiziell bis 2021 ansteigen wird. Allerdings bestreiten sie einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Biokraftstoffproduktion und der Zahl der institutionellen Anleger auf den Warenterminmärkten und der Welternährungssituation.

Sicherlich kann man nicht von der Hand weisen, das die Produktion von Biokraftstoffen und die Spekulation mit Agrarrohstoffen an den Warenterminbörsen , allein verantwortlich für den Hunger auf der Welt sind. Der Ölpreis, der Wechselkurs des Dollars, wetterbedingte Produktionsschwankungen, ad-hoc ergriffene Exporteinschränkungen sowie das Verhältnis Lagermengen-Verbrauch sind sicherlich weitere wichtige Einflussfaktoren auf die Preisgestaltung von Nahrungsmitteln, die nicht vernachlässigt werden dürfen.

Entwicklung der Preisvolatilitäten von Agrarrohstoffen und Rohöl von 1960 – 2012

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Quelle: Berechnungen Schmitz/Moleva (Datenbasis: World Bank)

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Das Institut für Marktanalye und Agrarhandelspolitik kommt in ihrem 2011 veröffentlichten Arbeitsbericht, zum Thema “Preisvolatilität auf landwirtschaftlichen Märkten” (Ernst-Oliver von Lebedur/Jochen Schmitz) zu dem Schluss, das in den letzten 40 Jahren, die Preisschwankungen auf den untersuchten deutschen Märkten zugenommen haben.

Das die Märkte für Biokraftstoffe in enger Verbindung mit den Märkten für Agrarrohstoffe stehen, steht ausser Frage. 40% der EU-Pflanzenöle, ca. 50% des brasilianischen Zuckerrohrs und etwa 40% der US-Maisprodduktion gehen in die Herstellung von Biokraftstoofen. Mit diesem Hintergrund haben sich die Preise für Ethanol und Biodiesel seit 2005 steil aufwärts bewegt. Die Preise für Biodiesel haben sich bis 2011 verdoppelt und für Ethanol vervierfacht. Für 2021 wird ein Wachstum von 95% für Biodiesel und von 84% für Ethanol genüber 2009-2011 erwartet. In etwa eine Verdopplung des bisherigen Wachstums.

Der größte Produzent sowie Verbraucher auf dem Biodieselmarkt ist zweifelsohne die EU. Auch in Zukunft wird ein Importbedarf von ein bis zwei Milliarden Litern prognostiziert. Argentinien, das seine Exporte bis 2021 verdoppeln wird, Malaysia und Thailand werden die bedeutensten Exporteure sein. Die USA und Brasilien werden den größten Netto-Importbearf von zusammen über 19 Milliarden Litern Ethanol aufweisen.

Entwicklung der Biokraftstoffpreise 2001 – 2021 (weltweit)

biokraftstoffpreise

Quelle: OECD-FAO 2012

Aufgrund dieser Wachstumsprognose wird es zwangsläufig zu einem Mehrverbrauch von landwirtschaftlichen Flächen kommen und somit auch zu einem eklatanten Anstieg der Weltmarktpreise für Nahrungsmittel.

Folgt man den kapitalistischen Marktgesetzen bilden Angebot und Nachfrage den Preis. Nimmt man die Produktionsschwankungen aus den o.g. Gründen, wie den Ölpreis, den Wechselkurs des Dollars etc. hinzu, wird auch die Volatilität zunehmen.

Biodiesel- und Bioethanol-Produktion in 2021 nach Hauptproduzenten (in Mrd. Litern)

biodiesel_ethanol_produktion

Quelle: OECD-FAO 2012

Auch zahlreiche Schwellen- und Entwicklungsländer wollen ihre Biokraftstoffproduktion deutlich ausbauen. Wird berücksichtigt, das 852 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern unterernährt sind, erscheinen diese Zahlen als ein Verbrechen an die Menschheit.

2012 wies die FAO in ihrem Bericht zur Welternährungssituation darauf hin, dass sie infolge verbesserter Schätzungsmethoden und erweiterter Datengrundlagen ihre bisherigen Zahlen korrigieren musste. Für die 1990er Jahre wurden die Zahlen nach oben korrigiert und für den Zeitraum 2007 bis 2010 nach unten. Die FAO hatte die Auswirkungen der Weltrezession auf die Entwicklungsländer und die Agrarpreisexplosion auf die Binnenmärkte der armen Länder überschätzt. Daraus folgern Schmitz und Moleva: Die einfache Formel “hohe und volatile Weltmarktpreise für Agrarrohstoffe verschärfen den Hunger in der Welt” wäre dann nicht mehr haltbar.

Das sich die Zahl der Unterernährten in den Entwicklungsländern von 23,2% in 1990-92 auf 14,9% in 2010-12 fast halbiert hat ist eine sicherlich erfreuliche Entwicklung. Ein großer Erfolg dieser Tatsache liegt daran, das im Laufe der Jahre die Anbaumethoden in der Landwirtschaft immer mehr intensiviert wurden und somit höhere Ernteerträge erzielt werden konnten. …und denoch jeder Mensch der Hunger leidet ist ein Hungernder zuviel.

Es ist absolut unstrittig, das eine Zusatznachfrage nach Agrarrohstoffen zur Biokraftstoffproduktion einen preiserhöhenden Effekt hat. Fixe Verwenddungsquoten führen zweifellos zu geringeren Nachfrageelastizitäten und somit zu höheren Preisvolatilitäten. D.h. bleiben die Beimischungsquoten stabil aber aufgrund von Ernteausfällen veringert sich das Angebot von Agrarrohstoffen auf dem Weltmarkt, steigen zwangsläufig die Preise. Bedenkt man, das in den Industrienationen 20-25% des Nettoeinkommens für Nahrungsmittel aufgebracht werden müssen, liegt der Anteil in den Entwicklungsländern bei 80-85%. Steigende Weltmarktpreise würden sich unweigerlich auch auf die Binnenmärkte auswirken und somit weitere Menschen in die Armut treiben und dem Hunger aussetzen. Auch wenn Schmitz und Moleva die Meinung vertreten, das sich dieser Einfluss quantitativ weniger bedeutend im Verhältnis zu den anderen Einflussfaktoren verhält, würde sich die Zahl der Unterernährten denoch erhöhen.

Schmitz und Moleva setzen für die Errechnung des Weltmarktpreises für Mais eine Formel ein, die sich aus sehr starren Vektoren zusammensetzt. Ihr Ausgangspunkt für die nachfolgende ökonometrische Schätzung (simultanes Schätzen meherer Gleichungen) ist ein theoretisches Weltmarktmodell für Mais bzw. Sojabohnen. Exportangebots- und Importnachfragefunktion bilden zusammen das Preis- und Mengengleichgewicht am Weltmarkt. Hinter beiden Funktionen stehen alle am Weltmarkt teilnehmenden Länder.

Die reduzierte Formel für den Weltmarktpreis für Mais:

Weltmarktpreis = ʄ(Ölpreis+Weltethanolprod. + Wechselkurs$ + wetterbedingte Prouktionsschwankungen +

ad-hoc ergriffene Exportbeschränkungen + weltweite Realeinkommensschwankungen + Anzahl

der von Spekulanten gehaltenen Kontrakte + Verhälnis Lagermenge-Verbrauch)

Schaut man sich diese Formel einmal genau an, so erkennt man den Einfluss der Weltethanolproduktion sowie den Einfluss von Agrarrohstoffspekulationen. Diese beiden Terme werden aber in der Aufschlüsselung von den Autoren nicht mehr berücksichtigt.

Ihnen zufolge ist der Maispreis signifikant abhängig vom:

  • Dollarwechselkurs (eine 1%ige Abwertung des Dollars erhöht den Maispreis um 2,97% )

  • wetterbedingten Prodduktionseinbruch (eine 1%ige Prodduuktionsminderung erhöht den Maispreis um 0,24%)

  • Lagermengen/Verbrauchs-Verhältnis (eine 1%ige Verringerung des Verhältnisses erhöht den Maispreis um 0,22%)

  • Ölpreis (ein 1%iger Ölpreisanstieg erhöht den Maispreis um 0,10%)

Genau betrachtet, sehen wir, das denoch ein erheblicher Einfluss von Biokraftstoffproduktion und Agrarrohstoff-Spekulation besteht:

  • da der Dollarwechselkurs und der Ölpreis auf dem internationalen Parkett der Rohstoffbörsen eng aneinander gekoppelt sind, würde eine Abwertung des Dollars nicht nur den Ölpreis beeinflussen, sondern auch den Preis für Biokraftstoffe und somit den Preis für Mais

  • eine Minderung der Maisprouktion würde durch die Quotenreglung zur Beimischung von Biokraftstoffen die Nachfrage steigen lassen und somit den Preis

  • Veringert sich das Verhältnis der Lagermengen zum Verbrauch, bei bestehender Quoteenreglung zur Beimischung zu Biokraftstoffen, steigen die ebenfalls Nachfrage und somit der Preis

Der Einfluss der Spekulation mit Agrarrohstoffen bewirkt ein ähnliches Wechselspiel, auf das später noch eingangen werden soll.

Das die Biokraftstoffproduktion keinen nennenswerten Einfluss auf die Preise und Volatilitäten für Agrarrohstoffe haben sollen, versuchen Schmitz und Moleva mit s.g. Vektorautoregressiven Modellen (VAR) nachzuweisen.

VAR-Modelle sind eine weitverbreitete Methode zum Schätzen meherer Gleichungen. Bei dieser Art von Zeitreihenmodellen werden die Variablen sowohl durch ihre eigenen Vergangenheitswerte, als auch durch die Vergangenheitswerte anderer Variablen bestimmt. VAR-Modelle geben einen rein statischen Zusammenhang wieder. Die Wahl der Zeitreihe, des Zeitraums und der Impulsreihenfolge sind frei und können deshalb zu mangelnder Robustheit der Ergebnisse führen. Zum Teil weisen VAR-Modelle Zusammenhänge nach, die nicht durch die gegenseitige Beeinflussung der Variablen, sondern durch eine gemeinsame Reaktion auf dritte, nicht hinzugenommene Variablen hervorgerufen werden können.

Mit anderen Worten, Ergebnisse die mittels dieser Gleichungen zustande kommen, sind mehr als fraglich, da die Wechselwirkung der einzelnen Faktoren nicht genügend berücksichtigt werden.

Berücksichtigt man, das für das Jahr 2012 13,4% des Grobgetreides, 19,2% des Weltrohzuckers, 13,5% der pflanzlichen Öle und 1,2% des Weizens für die Biokraftstoffproduktion verwendet wurden, sollen die Mengen 2021 für Grobgetreide bei 13,6%, für Weltrohzucker bei 31,2%, für pflanzliche Öle bei 16,1% und für Weizen bei 2,1% liegen. Allein bei Zucker würde sich der Wert fast verdoppeln. Die zitierten Zahlen stammen von der OECD/FAO.

Der Anbau von Zucker für die Biokraftstoffproduktion würde den Anbau von anderen Nahrungsmitteln zurück drängen, was wiederum einen negativen Effekt auf die Preise für Nahrungsmittel haben würde. Desweiteren würden Monokulturen entstehen und die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktionsflächen massiv beeinflussen.

Wie schon in meinem Artikel “Biosprit – Die größte Biolüge auf Kosten der Ärmsten” (veröffentlicht auf www.umweltgewerkschaft.org unter der Rubrik Dokumentationen – Aus aller Welt) erwähnt, wird auch der Austoss von CO2 dadurch nicht gemindert und die Umwelt in keinster Weise entlastet. Und das obwohl die aktuellen Nachhaltigkeitskriterien vorsehen, das die Emissionen mind. 35% geringer ausfallen müssen (ab 2017 mind. 50%) als bei den zuersetzenden fossilen Kraftstoffen.

Wenden wir uns nun der Spekulation mit Agrarrohstoffen und deren Auswirkungen auf die Preisschwankungen und den Hunger in der Welt zu.

Nach der großen Bankenkrise, verursacht durch Spekulationen mit wertlosen Immobilien und mehr als fragwürdigen Kreditausfallversicherungen (Lehman – Pleite), hat das Großkapital ein neues Spielzeug gefunden. Die Spekulation mit Lebensmitteln!

Die Geschäfte mit dem Hunger werden an den Warenterminbörsen getätigt. Eine Warenterminbörse ist ein Handelsplatz, an dem Termingeschäfte (Futures und Optionen) abgewickelt werden. Der Käufer verwendet das Termingeschäft als Absicherung (Hedge) gegen künfige Preissteigerungen, der Verkäufer will sich gegen Preissenkungen absichern. Erwartet etwa ein Importeur von US-Waren, dass der Dollarkurs innerhalb der nächsten drei Monate bis zur Lieferung ansteigen wird, kann er durch einen frühzeitigen Devisenterminkauf die Verteuerung seines (in Euro umgerechneten) Importpreises verhindern. Steigt der Dollarkurs tatsächlich, so erhält der Importeur durch den Devisenterminkauf die Dollar zum ursprünglich vereinbarten niedrigeren Kurs.

Der Spekulant kauft bzw. verkauft ein Handelsobjekt ebenfalls in Erwartung entsprechender Preisänderungen. Es fehlt aber eine Gegenposition, die entsprechend abgesichert wird. D.h. der Spekulant hat kein Handelsobjekt, das er dem Käufer aushändigen kann, ausser dem Kontrakt. Für dieses Geschäft besteht kein realer Gegenwert.

Der Nobelpreisträger Paul Krugman argumentiert, Investitionen in Futures an den Rohstoffbörsen seien lediglich Wetten die keinen Einfluss auf die Spotpreise (physischer Preis eines Handelsgut) haben. Das gilt aber nur für Spekulanten, die Handel mit Futures treiben, die sich nach der tatsächlichen Entwicklung von Angebot und Nachfrage richten. Finanzmarkftgetriebene Anleger kaufen ausschließlich, unbeeinflusst von Angebots- und Nachfrageentwicklung kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum und verkaufen gar nicht. Damit verteuern sich die Preise für die Future-Kontrakte und somit auch die Preise auf den Spotmärkten.

Die Terminbörse informiert über die gesamte Marktlage. Darum orientieren sich die Handelspartner auf den Spotmärkten an den Bewertungen der Future-Börsen. Es wäre betriebswirtschaftlich unsinnig eine Ware auf den physischen Märkten billiger anzubieten, als dafür auf den Future-Märkten erzielt werden kann. Umgekehrt würde es keinen Sinn machen auf den Spot-Märkten zu Preisen zu kaufen, die bereits an den Future-Märkten unterboten werden.

Die Nutzung der Rohstoffmärkte als Kapitalanlage hat keinen volkswirtschaftlichen Nutzen, es handelt sich ausschließlich um Wetten auf die Wertentwicklung der gehandelten Rohstoffe.

Terminmarktkontrakte und Spot-Preise für Mais; Januar 1998 – September 2012

terminmarktkontrakte

Quelle: Darstellung Schmitz/Moleva auf Basis der Daten von Weltbank (Spot-Preise für Mais)

Finanzakteure wie Banken, Hedgefonds, Pensions- und Staatsfonds gehen bewusst hohe Risiken ein, indem sie auf steigende oder fallende Nahrungsmittelpreise wetten, um möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Seit der großen Nahrungsmittelkrise 2008 wird offensiv geworben, Geld in den Agrarrohstoffmärkten anzulegen. In den Jahren 2003 bis 2008 stiegen die Investitionen in die Rohstoffindexfonds von 13 Mrd. US$ auf 317 Mrd. US$. Allein deutsche Finanzinstitute haben 2012 mit der Verwaltung von Investmentfonds , die auf steigende Nahrungsmittelpreise setzen, 116 Millionen Euro eingenommen. Führend dabei die Allianz und die Deutsche Bank.

Auch hier vertreten Schmitz und Moleva die Meinung, das trotz des deutlichen Zuwachses der institutionellen Anleger, z.B. Index- und Hedgefonds, ein destabilisierender Effekt auf Termin- und Spotpreise kaum nachgewiesen werden kann. Die Preisexplosion aus den Jahren 2007/08 sowie die erneuten Anstiege der Spotpreise 2010/11 und 2012 liessen sich weitgehend auf angebots- und nachfrageseitige Faktoren der Agrarmärkte und der handelspolitischen Ad-hoc Maßnahmen zurückführen. Es wäre falsch, das weit über das physische Handelsvolumen hinausgehende Kontraktvolumen von Agrarrohstoffen für die Preisentwicklung verantwortlich zumachen.

Nach ihrer Ansicht wären am ehesten die Spekulationen auf den realen Spotmärkten mit phsyischer Ware durch die Landwirte und Händler, den Verarbeitern und die Privathaushalte dafür verantwortlich. Sicherlich stimmt es, das die Spotpreise steigen, wenn Waren zurückgehalten werden. Aber wie oben schon ausgeführt, würde es weder für die Landwirte noch für die Händler Sinn machen, zu anderen Preisen zukaufen und verkaufen, als auf den Future-Märkten für die nächstfälligen Kontrakte erzielt werden kann.

Nach wie vor regeln Angebot und Nachfrage den Preis – auch an den Warenterminbörsen und somit auch auf den Spot-Märkten.

Die Autoren räumen ein, das der Ölpreis durch Angebot und Nachfrage gebildet wird. Die Preise orientieren sich an den Kursen der internationalen Ölbörsen New York Mercantile Exchange, ICE Futures in London, der Börsen in Rotterdam (ARA), in Chicago (CboT), Shanghai (SHFE) und der Singapore Exchange. Die Nachfrage und Angebotsseite werden dabei durch unterschiedliche Faktoren wie bspw. das Wirtschaftswachstum der Industriestaaten, die begrenzten Ölvorkommen sowie geologisch bedingte Fördermaxima,den Outputmengen der Raffinerienund den Fördermengen und Investitionen der Ölförderer bestimmt. Ebenfalls beeinflussen eine Vielzahl von Finanzmarktfaktoren wie beispielsweise Wechselkurse, Terminkontrakte und Zinssätze sowie verschiedene Ereignisse wie bspw. politische Konflikte, Kriege oder Naturkatastrophen den Ölpreis.

Auch bei anderen Handelsgütern bilden häufig die Warenterminmärkte die Preise ab.

Was auf Öl und andere Handelsgüter zutrifft, soll für den Handel mit Agrarrohstoffen nicht zutreffen?

Schmitz und Moleva machen es sich zu einfach, wenn sie behaupten, die Hauptursachen für Hunger und Armut in den Entwicklungsländern liegen demnach häufig in den Entwicklungsländern selbst.

Zum Teil abgeschottete Märkte, schlechte Regierungsführung, Korruption, unfähige Verwaltungen, Bürgerkriege, Wetterextreme, Naturkatasstrophen und die Diskreminierung der Landwirtschaft infolge von Exportsteuern, Industrieprotektion zu Lasten der Landwirtschaft und überbewertete Währungen sind sicherlich nicht zu vernacchlässigende Faktoren zur Bildung von Hunger und Armut. Bedenken wir aber, das ein großer Teil dieser Faktoren von den Industrienationen infolge ihrer Jahrhunderte langen Kolonialpolitik geschaffen bzw. begünstigt wurden. Auch an die immer wiederkehrenden Wetterextreme und Naturkatastrophen tragen die Industrienationen eine erhebliche Mitschuld.

Aber denoch kann man eine negative Auswirkung von der Verwendung von Agrarrohstoffen zur Biokkraftstoffproduktion und der Spekulation mit Agrarrohstoffen nicht verleugnen.

Zusammenfasend bleibt anzumerken, das das Preisniveau für Agrarrohstoffe und Biokraftstoffe bis 2021 weiterhin ansteigen wird. Von einem weiteren deutlichem Wachstum der Ethanol- und Biodieselproduktion muss ausgegangen werden. Zumindest wenn in der Agrosprit-Politik nicht ein rasches Umdenken erfolgt. Infolge dessen werden auch die Preise für Nahrungsmittel deutlich steigen, sowie Hunger und Armut erheblich zunehmen.

Die Autoren der Studie haben recht, wenn sie darauf verweisen, das die Preise für Agrarrohstoffe von verschiedenen Faktoren abhängig sind. Das sind im Einzelnen:

  • Ölpreisanstieg

  • Weltethanolproduktion/Weltbiodieselprodiktion

  • Wechselkurs des Dollars

  • Wetterbedingte Produktionsschwankungen

  • Ad-hoc ergriffene Exportbeschränkungen

  • Globale Konjunkturschwankungen

  • Lagermengen-Verbrauchs-Verhältnis

  • Anzahl der net-long Kontrakte von Spekulanten

Immerhin räumen Schmitz und Moleva in ihrem abschließenden Fazit ein, dass

  • Biokraftstoffe über die Mehrnachfrage nach Agrarrohstoffen einen preiserhöhenden Effekt auslösen;

  • dieser Effekt kurzfristig durch simultan wirkende, weiter marktbasierte und makroökonomische (gesamtwirtschaftliches Verhalten) Preistreiber verstärkt werden kann.

Vergegenwärtigen wir uns, wer die Auftraggeber dieser Studie sind – der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V. und die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. – braucht es uns auch nicht zu wundern, das die Studie zu dem Schluss kommt, dass

  • der Einzeleinfluss von Biokraftstoffen im Vergleich zu anderen Bestimmungsfaktoren des Preisgeschehens allerdings gering ausfällt, insbesondere wenn mittel- bis langfristig entsprechende Anpassungsreaktionen (wie immer die auch aussehen mögen?!) der Marktteilnehmer in Rechnung gestellt werden;

  • somit der Preiseinfluss von Biokkraftstoffen in der öffentlichen Wahrnehmung weit überschätzt wird, während die wahren Ursachen für hohe und volatile Preise kaum Beachtung finden;

  • auch der behauptete negative Einfluss der Spekulation einer empirischen Überprüfung nicht standhält.

Auch wenn niemand genau in Prozentpunkten darlegen kann, inwieweit sich Biokraftstoffproduktion und Agrarrohstoff-Spekulation auf die Preisfindung und Volatilität von Agrarrohstoffen niederschlagen, müssen wir diese Einflussfaktoren doch deutlich höher bewerten, als die Verfasser dieser Studie es tun.

Realistisch gesehen, ist die Biokraftstoffproduktion nur ein weiteres Geschäftsfeld der kapitalistischen Großindustrie. Den Produzenten und ihren Lobbyisten in der Politik geht es dabei nicht um Nachhaltigkeit oder Reduzierung von CO2-Emissionen (siehe dazu “Biosprit – Die größte Biolüge auf Kosten der Ärmsten). Hier geht es nur um den Profit. Wieder einmal auf Kosten der Ärmsten. Kein Produzent würde in diesem Geschäftsfeld investieren, wenn nicht großzügige Profite in Aussicht stehen würden, so wie es die Spekulation an den Agrarrohstoffbörsen verspricht.

…aber selbst wenn durch Biokrafstoffe und Spekulation die Nahrungsmittelpreise nur um 1% steigen würden, bedeutet das weitere Hungertote in der Dritten Welt!

…machen sich die Produzenten von Agrosprit, die Spekulanten und ihre politischen Lobbyisten schuldig!

…Schuldig an den Ärmsten der Welt!

Essen gehört auf den Teller – nicht in den Tank” – “Mit Essen spielt man nicht!”

…diesen Slogans verschiedener NGOs bleibt nichts hinzu zufügen!!

Frank Binder (Mitglied der bundesweiten Koordinierungsgruppe der Umweltgewerkschaft)

Quellen: Harald Schumann – Autor: Die Hungermacher; Institut für Marktanalye und Agrarhandelspolitik; Oxfam; IFPRI;

OECD/FAO; Prof. Dr. Dr. h.c. P. Michael Schmitz und M. Sc. Palina Moleva – Verfasser der Studie:

Bestimmungsgründe für das Niveau und die Volatilität von Agrarrohstoffpreisen auf internationalen Märkten; Paul

Krugman